QuatierMobil 1

Was ist QuartierMobil 1?

QuartierMobil 1: Persistenz und Dynamik im Quartier – Strategien zur Zukunft urbaner Mobilität“ ist ein Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme „Umsetzung der Leitinitiative Zukunftsstadt“, in dem neue Möglichkeiten der Mobilitäts- und Verkehrsentwicklung in Quartieren untersucht werden. Bedeutend ist hierbei die Zusammenführung von Siedlungs- und Verkehrsentwicklung. Der Fokus des Forschungsprojektes richtet sich auf die Menschen im Quartier, ihre Mobilität und ihre diesbezüglichen Bedürfnisse. Im Rahmen von QuartierMobil 1 wurden zwei sogenannte „Reallabore“ (detaillierte Erklärung auf der Startseite) untersucht: Die Lincoln-Siedlung in Darmstadt als neu zu entwickelndes Quartier sowie der Stadtteil Bornheim in Frankfurt als Bestandsquartier.

Das Projekt lief vom 1. Oktober 2017 bis zum 31. Dezember 2020

FKZ: 01UR1702D

Wer war beteiligt?

Für QuartierMobil 1 bestand eine Kooperation zwischen den Städten Frankfurt am Main und Darmstadt, zwei Planungsbüros, der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie der Technischen Universität Braunschweig.

Die Federführung des Reallabors Lincoln-Siedlung lag beim Mobilitätsamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Abteilung Konzeptionelle Mobilitätsplanung, die durch das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro StetePlanung unterstützt wurde. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte sowohl durch das Büro StetePlanung als auch durch die Arbeitsgruppe Mobilitätsforschung der Goethe-Universität Frankfurt am Main und den Lehrstuhl für Vergleichende Regierungslehre und Politikfeldanalyse der Technischen Universität Braunschweig.

Was sollte erreicht werden?

Übergeordnetes Ziel des Forschungsprojektes war es, Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren, mit denen eine Veränderung urbaner Mobilität hin zu mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz und dem Abbau sozial-ökologischer Ungleichheiten ermöglicht wird. Diese Veränderung ist notwendig, da trotz zahlreicher sozialer und ökologischer Zielstellungen viele städtebaulichen Entwicklungen daran scheitern, die Mobilität grundlegend zu verändern und nachhaltiger zu gestalten.

Im Projekt sollten u.a. folgende Forschungsfragen beantwortet werden:

  • Wie kann Infrastruktur in Städten so gestaltet werden, dass eine umwelt-, stadt- und sozialverträgliche Mobilität realisiert werden kann?
  • Welche Kräfte unterstützen oder behindern die angestrebte Entwicklung?
  • Was genau sind die Bedürfnisse der Menschen in Sachen Mobilität und welche alternativen Angebote zum privaten Pkw können sie dabei sinnvoll unterstützen?
  • Wie wirken sich die Angebote auf das Mobilitätsverhalten aus? Wie werden sie akzeptiert? Was muss ggf. ergänzt/angepasst werden?

Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Reallabor Lincoln-Siedlung sollen Grundlage für Handlungsempfehlungen sein, die über die Grenzen des Quartiers hinaus auf weitere Quartiere in Darmstadt übertragbar sind. Sie sollen z. B. ganz unmittelbar in die zukünftige Entwicklung des Ludwigshöhviertels einfließen und können zugleich Vorbild für andere Städte sein.

Wie wurde vorgegangen?

Den Bewohnerinnen und Bewohnern der Lincoln-Siedlung kam im Projekt QuartierMobil 1 eine besondere Rolle zu. Ihnen wurde vom Planungsbeginn an mittels verschiedener Beteiligungsformate ermöglicht, ihre Anregungen, Vorschläge oder auch Kritik hinsichtlich des Mobilitätskonzeptes mit einzubringen. Ziel war es, herauszufinden, was die Menschen in Bezug auf ihre Mobilität bewegt und wie das Mobilitätskonzept diesbezüglich Einfluss nehmen kann. Hierzu wurden verschiedene Beteiligungsformate initiiert und auch auf vorhandene Angebote zurückgegriffen (Näheres hierzu siehe Startseite ). Die Veranstaltungen wurden wissenschaftlich ausgewertet, ebenso wie die im Herbst 2019 durchgeführte Befragung der Bewohnerschaft zu ihren Erfahrungen mit der Mobilität im Quartier und den vorhandenen Angeboten.

Im Projekt war zudem die Einbeziehung weiterer Akteure im Quartier, wie z.B. von Projektentwickler/-innen, Investoren/Investorinnen, Grundstückseigentümer/-innen, Mobilitätsdienstleister/-innen sowie der Fachverwaltungen, von zentraler Bedeutung. Diese wurden teilweise über den Mobilitätsbeirat eingebunden (siehe Startseite QuartierMobil) sowie mittels vertiefender Interviews durch das Büro StetePlanung zu ihrer Sicht auf das Mobilitätskonzept der Lincoln-Siedlung sowie zu ihren Erfahrungen mit der Planung und der Umsetzung ihrer jeweiligen Projekte in Lincoln befragt. Die Interviews wurden wissenschaftlich ausgewertet und mit aktuellen  Befunden zum Thema „Persistenzen (Beharrungskräfte) und Dynamiken urbaner Mobilität“ abgeglichen.

Parallel dazu wurde von der Fachverwaltung / Mobilitätsamt der Planungsprozess weiter fortgeführt (bspw. weitere Erarbeitung vertraglicher Regelungen wie B-Plan, Stellplatzsatzung usw.) sowie der Umsetzungsprozess mit dem Bezug der Siedlung gestartet. Dabei wurde der Fokus auf die Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit sowie auf die weitere Ausgestaltung des Mobilitätskonzeptes (z.B. Stellplatzvergabeordnung, Beteiligungsformate, Ausschreibung von Mobilitätsdienstleistungen) gelegt.

Abschließend wurden auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse allgemeine Handlungsempfehlungen für die Planung und Umsetzung quartiersbezogener Mobilitätskonzepte formuliert.

Projektbeteiligte und Interviewpartner

Vorgehensweise bei der Stellplatzvergabe (Stand 2021)

Welche Ergebnisse wurden erzielt? / Welche Erkenntnisse wurden gewonnen?

Das Projekt QuartierMobil 1 hat gezeigt, dass die integrierte Planung und die Umsetzung eines an Nachhaltigkeit orientierten Mobilitätskonzeptes ein hohes Potential aufweist, autozentrierte Gewohnheiten zu überdenken und die Nutzung alternativer multimodaler Angebote zu fördern. Das Problembewusstsein in Bezug auf die Belastungen, die mit dem motorisierten Pkw-Verkehr einhergehen, ist im Laufe des Prozesses bei allen Beteiligten gewachsen und bei vielen auch die Bereitschaft zur Veränderung.

So steht ein Großteil der Bewohnerschaft einer Reduzierung der Autonutzung offen gegenüber – vor allem, wenn hierdurch eine höhere Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum spürbar ist – und nutzt gerne die alternativen Angebote (z.B. ÖPNV, Car- und Bikesharing). Es bestehen trotzdem Bedenken bezüglich eines überwiegend autofreien Lebens in der Lincoln-Siedlung.

Bei den Projektentwicklern/Projektentwicklerinnen und Investoren/Investorinnen ist ein Umdenken hinsichtlich der Bereitstellung von Kfz-Stellplätzen und deren Verortung erkennbar (weniger Stellplätze und nicht auf eigenem Grundstück), zumal hier Kosten reduziert und Flächen anderweitig, z. B. zum Aufenthalt, genutzt werden können.

Architektur- und Planungsbüros haben den Eindruck, dass nachhaltige Mobilitätskonzepte heute zum geforderten Standard bei städtebaulichen Wettbewerben für neue Quartiere gehören und hierzu bereits in der Auslobung der Wettbewerbe entsprechende Anforderungen formuliert werden.

Als zentraler Baustein für die langfristige Veränderung der urbanem Mobilität hin zu mehr Nachhaltigkeit hat sich das in der Lincoln-Siedlung eingeführte „Stellplatzmanagement“ mit den vier Grundelementen „Trennung von Wohnen und Parken“, „Konzentration der Stellplätze überwiegend in Sammelgaragen“, „Einführung einer zentralen Stellplatzvergabe nach sozialen Kriterien“ sowie „Einführung einer flächendeckenden Parkraumbewirtschaftung“ erwiesen. Die Erkenntnisse sollen im Folgeprojekt QuartierMobil 2 – angepasst an die Rahmenbedingungen in Bestandsquartieren – vertieft behandelt werden.

Wie sich herausgestellt hat, ist zudem die Bereitstellung von multimodalen Angeboten von Beginn der Quartiersentwicklung an ein wichtiger Aspekt für den Erfolg eines Mobilitätskonzeptes. Wenn die ersten Bewohner/-innen einziehen, müssen sie darauf zurückgreifen können. In QuartierMobil 2 soll daher auch untersucht werden, wie in Bestandsquartieren ein solches Angebot angenommen und bewertet wird.

Das Projekt QuartierMobil 1 hat aber auch gezeigt, dass die Planung und Umsetzung eines nachhaltigen Mobilitätskonzeptes wie in der Lincoln-Siedlung aufgrund des Modellcharakters und den zahlreichen Akteuren/Akteurinnen eine zeitintensive Abstimmungsarbeit erfordert. Neue, an die jeweiligen Bedarfe angepasste Instrumente (bspw. zentrale Stellplatzvergabe) und Verträge sind zu entwickeln bzw. bestehende Instrumente „intelligent“ anzuwenden, neue Kommunikationskanäle sind zu öffnen und rechtliche Hürden abzubauen bzw. Richtlinien und Gesetze an geänderte Anforderungen anzupassen – soweit dies im Verantwortungsbereich der Kommune möglich ist.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Projektziel von QuartierMobil 1 erreicht wurde und Persistenzen / Hindernisse einerseits (z. B. Kommunikationsprobleme, bestehende Verwaltungsstrukturen, eingefahrene Denkmuster bei den Akteuren/Akteurinnen, kontraproduktive Vorgaben für die Infrastruktur, zeitverzögerte Umsetzung) und Dynamiken andererseits (z. B. neue technische Anforderungen der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur, Anforderungen zur Bereitstellung eines erhöhten Angebots an Fahrradinfrastruktur, zunehmende Digitalisierung, wachsende Nachfrage im Sharing-Sektor) identifiziert und Empfehlungen formuliert werden konnten, wie Hindernisse zu überwinden sind und Dynamiken positiv gepuscht werden können. Die Ergebnisse konnten in Handlungsempfehlungen überführt werden, wie die Planung und Umsetzungen von nachhaltigen Mobilitätskonzepten vorangebracht und Quartiere zukunftsfähig gestaltet werden können.

Der ausführliche Abschlussbericht kann hier heruntergeladen werden.

Der ausführliche Abschlussbericht des Gesamtkonsortiums kann hier eingesehen werden.

Kontakt

Sie haben Fragen oder möchten mehr zu den Projekten wissen? Dann wenden Sie sich bitte an die folgenden Ansprechpartnerinnen:

Gisela Stete

StetePlanung

Sandbergstraße 65
64285 Darmstadt

E-Mail: kontakt@steteplanung.de
Telefon: +49 (0)6151 65233

Hanna Wagener

Mobilitäts- und Tiefbauamt Darmstadt

Abteilung Mobilität
Mina-Rees-Straße 8-10
64295 Darmstadt

E-Mail: moma.lincoln@darmstadt.de
Telefon: +49 (0)6151 13 2809